Karakorum liegt im geschichtsträchtigen und fruchtbaren Orchon-Tal.
Das mittelalterliche Karakorum war die zu Zeiten Dschingis Khans gegründete Hauptstadt der Mongolei. Da Karakorum zu jener Zeit auch zum Zentrum des Buddhismus erklärt wurde, ist für die Mongolen Karakorum quasi die Wiege ihrer Nation.
Das Orchon-Tal ist aber auch für die Türken die Wiege ihrer Nation, denn Schriften belegen die Nennung bereits im 8. Jahrhunderts vor Chr.. Im "Gokhturk Museum", 47 km nördlich von Karakorum, sind neben in Stein gemeißelter Schriften weitere Artefakte jener Zeit ausgestellt. Ein junger Türke schrieb in einer Rezension zu diesem Museum, dass es ein Privileg sei im Land seiner Vorfahren dieses Museum besuchen zu dürfen.




Schon vor Bajanchongor zeichnet sich ab was sich auf der Fahrt nach Karakorum noch verstärken wird. Die Straßen werden schlechter, der Verkehr nimmt zu und damit auch der Müll am Straßenrand. Aber dafür wird die Landschaft deutlich grüner. Bajanchongor liegt auf etwa 1860 m Höhe. Vielleicht ein Grund dafür, warum die Temperaturen angenehmer sind als die Tage zuvor, obwohl keine Wolke am Himmel zu sehen ist. Das wird sich aber auch bald ändern, denn womit ich in der Mongolei überhaupt nicht gerechnet hatte ist Regen. Der setzt dann aber erst spät am Abend ein und wird über Nacht bleiben. Damit wäre dann auch das Grün erklärt.

An einem imposanten Stadttor halte ich an. Eine deutschsprachige Geologen Gruppe aus der Schweiz, Österreich und Deutschland, in einem Offroadtruck aus Kasachstan unterwegs, blockieren für ein Fotoshooting die Fahrbahn. Danach kann ich. Sie werden ebenfalls nach Karakorum fahren.


Nach 1400 km auf mongolischem teils guten manchmal aber auch sehr schlechtem Asphalt verlasse ich die „Autobahn“ etwa 300 km hinter Bajanchongor, bzw. 450 km vor Ulan Bator. Für die Autobahn ist vor bzw. hinter jedem größeren Ort, und das waren die in denen ich übernachtet hatte, an einer Mautstelle eine Gebühr zu entrichten. Für Motorräder beträgt diese zwischen 500 und 1000 Tögrög, also etwa 12-25 Cent. Ich werde aber jedes mal durchgewunken.
Es braucht eine Zeit bis ich mich wieder an Schotter und Co gewöhnt habe, aber dann kann ich den kasachischen Truck, der mich auf dieser Piste bereits überholt hatte wieder „abschütteln“ und mich so seiner Staubwolke entziehen. 60 km mal Schotter, mal Sand, mal Gras, mal Waschbrett. Ich hatte befürchtet, dass sich das mittlerweile geringere Profil der Reifen negativ auswirken könnte, merke aber keinen großen Unterschied und komme sogar zügig voran. Bis zu einem Abzweig. Noch 15 km bis Karakorum.

Auf einem Hügel unweit der Abzweigung stehen unzählige Fahrzeuge, dazwischen ein paar Pferde. Ein Viehmarkt, denke ich und steuere darauf zu. Dann sehe ich erste Trachten bzw. Kostüme. Das ist kein Viehmarkt. Ich stelle mein Motorrad ab und schaue mich um. Kreisrund aufgestellte Pavillons unter denen Menschen in ähnlich traditioneller Kleidung sitzen. Ungefähr in der Mitte des Platzes weht die mongolische Nationalflagge. Jungen reiten in unterschiedlicher kostümähnlicher Kleidung umher. Etwas entfernt scheint man Spalier zu stehen, beginnen einige schneller dorthin zu laufen und ich ahne im besten Augenblick hier eingetroffen zu sein.
Wenig später kommt das führende Pferd in Sicht und überquert die für mich nicht erkennbare Ziellinie. Weitere Pferde laufen ein, werden von Jungen geritten, die scheinbar nicht älter als 15 Jahre alt sind. Das letzte Pferd trifft ein und die Menge löst sich auf, geht zurück zum Festplatz.
Es dauert nicht lange und 6 Ringer plus Adjudanten betreten den Platz. Nach einem kurzen Zeremoniell treten sie jeweils zu zweit gegeneinander an.






Ich habe in Kirgisistan durch die Probleme mit dem Motorrad und des anfangs schlechten Wetters mehr als zwei Wochen verloren und musste meinen Plan, am 11.-13. Juli in Ulan Bator sein zu wollen, aufgeben. Zu dieser Zeit wird traditionell das Naadaam Festival gefeiert. Am Abend erfahre ich, dass das Naadaam Festival außer vom 11.-13. Juli in Ulan Bator im ganzen Juli, von den Städten und Dörfern aber zu unterschiedlichen Zeiten gefeiert wird. Das Bogenschießen, traditionell der dritte Teil dieses Festes findet immer am Anfang statt, gefolgt vom Pferderennen und dem Ringkampf. Das Pferderennen geht über 25 Kilometer und wird dem Alter der Pferde entsprechend in 6 unterschiedlichen Rennen abgehalten. Der jeweilige Sieger gewinnt ein Pferd. Ich bin total geflasht, dass ich dieses Fest, das ich für mich schon abgeschrieben hatte, auf diese ungewöhnliche Art erleben durfte.
Am Abend findet in dem Jurt-Camp in dem ich übernachte der Tag durch eine traditionell mongolische Musikdarbietung einen wundervollen Abschluss.

Nahe des alten Karakorum befindet sich die 1586 gegründete Klosteranlage "Erdene Dsuu", die 1937 zu Zeiten Stalins, bis auf die Außenmauern und Teile der heute restaurierten Gebäude, fast vollständig zerstört worden ist. Seit 1990 ist es als Kloster wieder im Betrieb.





