Die oder das. Die Altai Republik oder das Altai Gebirge. Es ist nicht das Gleiche.
Das Hotel kurz hinter der Grenze bot kein Frühstück an, so kann ich früh los. Gegessen wird unterwegs. 6 Fahrstunden sind es bis Gorno-Altaisk, der Hauptstadt der Republik Altai. Die Altai Republik liegt auf dem Staatsgebiet Russlands im nordwestlichen Teil des Altai Gebirges bzw. im Südwesten Sibiriens und grenzt an China, Kasachstan und die Mongolei. Das Altai Gebirge hingegen erstreckt außer auf Russland auch auf die Grenzgebiete von Kasachstan, China und der Mongolei.
In Zeiten in denen man in Russland weder mit einer EC- noch mit einer Kreditkarte bezahlen kann, sondern nur mit der Karte einer russischen Bank oder mit Bargeld, ist auch eine Hotelbuchung und Zahlung per Kreditkarte somit fast nicht möglich. Buchungen via booking.com und Co. gehen sowieso nicht. Ich hatte jedoch gelesen, dass es über ZenHotels.com möglich sein soll, da die Gründer dieser Plattform angeblich in den USA sitzen und Verbindungen nach Russland oder sogar einen russischen Pass haben sollen. ZenHotels.com soll jedenfalls Zugriff auf russische Hotels haben. Wie auch immer, die Buchung des Hotels in Gorno-Altaisk und die Bezahlung per Kreditkarte über zenhotel.com hat tatsächlich geklappt. Das entspannt meine Finanzbuchhaltung erheblich. Benzin kostet je nach Oktanzahl 62-78 Cent, eine Tankfüllung also etwa 10€. Ich habe mit den umgetauschten kasachischen Tenge und den eingeführten Euro und Dollar knapp über 2000 Euro Bargeld zur Verfügung. Da ich vermutlich nicht mehr als 50€ pro Tag ausgeben werde sollte es, neben den möglichen Buchungen über zenhotel.com per Kreditkarte, eigentlich reichen, wobei ich etwas berücksichtigen muss.
Da ich mittlerweile 8000 km mit dem Satz Reifen unterwegs bin wird, auch wenn es Heidenau Reifen sind, zumindest der Vorderreifen spätestens nach 15000 km, vielleicht in Irkutsk am Baikal-See oder in Nowosibirsk gewechselt werden müssen. Von einem russischen Biker habe ich allerdings erfahren, dass der Asphalt in der Mongolei sehr schlecht und rau sein soll und ich mit einem höheren Abrieb rechnen müsse. Jetzt hoffe ich wenigstens bis Ulan Bator zu kommen. Es sind ja nur noch 2000 km. Nun verstehe aber langsam, warum manche Biker einen Satz Reifen dabei haben oder sie fahren keinen Heidenau. Der russische Biker war ´jedenfalls überrascht, als er das noch vorhandene Profil sah und erfuhr wieviel Kilometer ich bereits damit unterwegs sei. In Ulan Bator könnte auch gleich einen Ölwechsel gemacht werden.. Die hinteren Bremsbeläge werde ich morgen wechseln. Alles in allem läuft das Motorrad fast wie es soll. Das „fast“ macht mich allerdings auch ein wenig dünnhäutig. Seit gestern läuft der Motor im unteren Drehzahlbereich etwas unrund, wird er etwas heißer als sonst, hat einen leicht kernigeren Klang und einen, allerdings sehr geringen Leistungsabfall. Luftfilter sieht gut aus. Zündkerze werde ich mal checken. Vielleicht kommt es mit dem 98er Benzin nicht ganz klar und ist mit 92er zu verwöhnt, wahrscheinlicher ist allerdings, dass es genau umgekehrt sein wird.
In Altaisk, wie man hier kurz sagt, weil gorno nichts anderes bedeutet als gebirgig oder bergig, wollte ich mir eigentlich ein Permit für Gebiete außerhalb der für die Öffentlichkeit zugänglichen Bereiche besorgen, ich erfahre jedoch, dass ich mit bis zu 6 Wochen Bearbeitungszeit rechnen müsse. Dann also nur den Mainstream entlang des Chuysky Trakt, der in Nowosibirsk beginnend die Städte Barnaul und Gorno-Altaisk mit der Mongolischen Grenze verbindet und eine der schönsten Straßen der Welt sein soll.
Den Ausflug nach Tschemal, etwa 75 km hinter Altaisik, das neben dem dortigen, Kloster angeblich recht sehenswert sein soll, bereue ich sehr schnell. Es ist nicht nur super warm und Wochenende, sondern auch in Russland Ferienzeit und Tschemal damit total überlaufen. Eigentlich wollte ich in Tschemal übernachten und dort Wäsche waschen und die Bremsbelege wechseln. Ich stelle mich also auf zelten ein. denn die Gegend ist schön, die Straße führt an einem Fluss entlang und Plätzchen gibt es genug. Ich fahre auf den Chuysky Trakt zurück. Nach etlichen Kilometern lässt mich ein Camp mit Blockhäusern anhalten und wenig später beziehe ich eine Blockhütte für schmales Geld, was in dieser Gegend nicht üblich ist. Die Übernachtungspreise sind teilweise auf dem Niveau Westeuropas. Ich habe gerade abgeladen als wie aus dem Nichts plötzlich Wolken auftauchen und innerhalb weniger Minuten sich ein Gewitter mit enormen Platzregen entlädt. Es sollte wohl so sein, dass ich mal wieder trocken bleibe. Es wird die ganze Nacht immer mal wieder regnen. Die 25oo Rubel (25€) haben sich jedenfalls zu 100% bezahlt gemacht. Eine junge Russin erzählt mir später, dass es nachts mitunter sehr kalt werden könne. Nass auf jeden Fall.

Erst gegen Mittag kommt so ganz allmählich die Sonne durch und es dauert eine Weile bis der Chuysky Trakt beginnt seine angebliche Schönheit zu entfalten. Was ich bis dato sah sieht sehr vielversprechend aus. Ich übernachte erneut in einer Blockhütte in Inja, etwa 255 km vor der Mongolischen Grenze.







Der Chuysky Trakt macht seinem Ruf alle Ehre. Selten, dass ich in einer so schnellen Abfolge so unterschiedliche Landschaften gesehen habe. Waren es eben noch von dunklen Wolken fast eingehüllte Berge, ist es im nächsten Augenblick schon wieder grün wohin man schaut. Fichten sind die bestimmenden Bäume. Laubbäume siehe ich so gut wie keine. Und je weiter ich Richtung Mongolei komme schiebt sich schneebedecktes Gebirge in den Hintergrund.
Ich mache einen kleinen Abstecher zu den aus meiner Sicht eher unscheinbaren Petroglyphen von Kalbak-Tasch, wenn ich das mal mit denen von Alta in Norwegen vergleichen darf, die aber für die Region und prähistorisch sicher wertvoll sein dürften und zum Geyser-See, denn beide liegen mehr oder weniger am Straßenrand. Wie so manches andere auch.






In der Nähe von Mars 1, Mars 2 und Luna, die Namen sind Programm und stehen für die jeweilige namengebende Landschaft, übernachte ich erneut in einem Blockhaus. Der "Early Bird" kann so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn anschließend sind es nur noch etwa 100 km bis zur Mongolischen Grenze. Dann stehe ich nach Mars 1 vor einer Anhöhe und habe die Aussage in meinen Ohren, dass man am letzten Tag keine Skiabfahrt mehr machen sollte, als ich sehe wie sich die SUVs und anderen Geländefahrzeuge hinaufquälen. Dann eben nur Mars 1 und dafür ab zur Grenze.

