Heute ist der erste Tag seit langem an dem das Wetter so ist wie ich es mir vorgestellt habe.
Viel zu heiß, ein hellblauer Himmel ohne eine einzige Wolke so weit das Auge reicht und eigentlich ein Tag an dem ich irgendwo am Pool liegen sollte und mir nicht auch noch zusätzlich von Motor und Auspuff den Hintern grillen lassen muss.
Ich mache meine Klimaanlage betriebsbereit, wissend, dass das nicht lange anhalten wird und spätestens nach einer Stunde „nachgetankt“ werden muss. Halstuch und Shirt in vorzugsweise kaltem Wasser einweichen, leicht auswringen und überziehen. Dann die Jacke drüber und los. Ich behalte dabei zwar keinen kühlen Kopf, dafür aber wenigstens einen kühlen Oberkörper.
Ich könnte jetzt schreiben wie Grün ich mittlerweile Kasachstan finde, zumindest in diesem Teil, und könnte es mit den nahen Bergen entlang der chinesischen Grenze begründen und mit der vermutlich ausgefeilten Verteilung des in den Flüssen mitgeführten Wassers das von dort kommt, aber das lasse ich mal.
Ich bin am Alaköl, dem größten von über 500 Seen, Bächen und Flüssen die zu einem Biosphärenreservat gehören durch das ich gefahren bin. Das erklärt im Grunde schon fast alles. Nach über 300 km meist geradeaus habe ich beschlossen einen Seetag einzulegen.
Das der südliche und südöstliche Teil des Sees touristisch genutzt wird konnte ich bereits anhand der vielen Unterkünfte erahnen, was mich dann aber erwartet macht mich fast sprachlos. Ich habe mir bei Google, abseits der teuren Bettenburgen, eine Pension mit vielen guten Bewertungen rausgesucht und diese direkt angesteuert. Für 24€ bekomme ich Vollpension und ein Zimmer mit eigenem Bad. Vom Strand habe ich bis dato noch nichts gesehen, denn er liegt tiefer hinter der kleinen Steilküste fußläufig nur wenige Minuten entfernt. Gefiel mir die Nordküste des Yssykköl schon nicht besonders haut mich der Anblick dessen was ich am schmalen grauen Kiesstrand erlebe fast um. Massentourismus auf kasachisch. Muss man mal erlebt haben. Bei den Bettenburgen wäre es überschaubarer gewesen. Da lobe ich mir doch die stillere Südküste des Yssykköl.


Ich habe nochmal meine Zeitachse überdacht und festgestellt, dass ich jetzt langsam etwas Gas geben muss, denn mittlerweile „fehlen“ mir 3 Wochen. Die für die Mongolei ausgearbeitete Route habe ich von über 8000 km auf unter 5000 km und damit auf das schnellere Erreichen meiner vorgesehenen POIs im Zentrum der Mongolei reduziert und verzichte damit auf viel Schotter und vermutlich Waschbrett. Schnell scheint allerdings relativ zu sein, denn meine Tourer App berechnet dafür immerhin noch 4,5 Tage bzw. ca. 110 Stunden, was wiederum bedeutet, dass ich bei 5-6 Stunden täglich, etwa 3 Wochen im Sattel säße. Bei genauer Betrachtung der Strecke auf Google ist allerdings ein nicht geringer Teil davon asphaltiert und als „rote“ Straße markiert. Das lässt hoffen, denn sonst läge die Durchschnittsgeschwindigkeit nur bei etwa 45 km/h.
In Öskemen mache ich meine letzte Übernachtung auf kasachischem Boden, dann heißt es über die Grenze nach Russland und ins russische Altai Gebirge. Mal gucken was ich da von meiner ausgearbeiteten Strecke streichen werde. Mitte August will und muss ich am Baikal-See sein, denn ein paar Tage wollte ich dort schon sein. Und irgendwann kommt in Sibirien dann ja auch der Winter und ich weiß nicht wann.
Kathedrale von Öskemen
Fazit. In dieser Ecke Kasachstans ist es grüner als ich dachte. Die Straßen, insbesondere die Verbindungs- bzw. Überlandstraßen sind in einem recht guten Zustand, bei den Nebenstraßen besteht zum Teil noch erheblicher Nachholbedarf. Es scheint in jüngster Zeit viel gebaut worden zu sein und man ist noch dabei. In Ösgemen, immerhin fast 360000 Einwohner, sieht es eher aus wie in Bishkek als in Almaty, dennoch ist es überall sehr sauber. Ich sah fast keinen Müll am Straßenrand liegen.
Das wirklich Negative das ich feststellen musste ist, dass mir hier mehr unfreundliche Menschen begegnet sind als anderswo. Egel ob im Besucher Center im Charyn Canyon, an der Tankstelle oder an der Rezeption im Hotel in Almaty. Und überwiegend, nicht nur, waren es Männer. Ich stellte eine relativ schnelle Gereiztheit bzw. Ungeduld fest wenn ich etwas aufgrund von Sprachproblemen nicht sofort verstanden hatte. Müsste ich also wählen zwischen Kirgisistan und Kasachstan fiele meine Wahl im Gesamtkontext mit Abstand sofort auf Kirgisistan, denn schlechte Straßen kann ich akzeptieren.